HELLMOUTH

Die Daumertsbraut

Die weiße Frau von Dagstuhl wandert nachts umher und begleitet Fußgänger durch den Lückner, bis sie wieder in der Dunkelheit verschwindet. Letzte Sichtungen sind nicht lange her.

Die Daumertsbraut ist der Geist von Sidonie, der weißen Frau von Dagstuhl. In der Nähe des weißen Kreuz geht sie nachts umher und wartet dort auf ihren Geliebten, Ritter Heinrich von Eichenstein, der nie zu ihr heimgekehrt ist als er auszog, um das heilige Land zu befreien. Wahrscheinlich muss sie dort verweilen, bis ihr Geliebter zu ihr zurück findet.

Die letzte Sichtung der Daumertsbraut, wie sie in Wahlen genannt wird, ist noch keine 5 Jahre her. Viele Wahlener Bürger berichten von Sichtungen. Zwei Frauen wurden zum Beispiel von einem Holzsammler aufgefunden, die kreidebleich bei einer Buche im Lückner standen. Die beiden Frauen berichteten, dass die Daumertsbraut aus dem Boden auftauchte und von einem schwarzen Hund begleitet wurde. Die Daumertsbraut betrachtete die Frauen und verschwand mit lautem Gelächter im Nichts und das Lachen verstummte. Der Holzsammler selbst glaubte nicht an die Daumertsbraut, bis er sie selbst einmal gesehen hat. Sie wanderte an ihm vorbei, mit gesenktem Haupt, traurigem Blick und trug diesmal allerdings ein schwarzes Kleid. Der Holzsammler sparte sich künftig den Spott. Der Holzsammler ist inzwischen selbst verstorben.

Auch in Oppen ist die Daumertsbraut bekannt. Dort wurde sie bis zuletzt von Bürgern gesehen, die nachts von Oppen nach Wahlen durch den Wald gingen. Die Daumertsbraut begleitet die Fußgänger durch den Lückner und bietet ihnen vielleicht sogar Schutz, vor einer unbekannten Gefahr. Die Braut begleitet die nächtlichen Wanderer bis an den Punkt, an dem der Weg abfällt und verschwindet spurlos in der Nacht. Im Heischenpfad, bei den großen Fichten, soll immer noch ihre Brautkammer liegen.

Legende aus alter Zeit


Ein Schafhirt ging seiner Arbeit am Fuße des Schlossbergs bei Dagstuhl nach, als er nachts des Öfteren Klagelieder hörte. In einer Vollmondnacht streckte der Hirt seinen Kopf aus dem Karren, in dem er schlief und konnte die weiße Gestalt einer Frau wahrnehmen, die durch den Schlosspark wandelte und sich jammernd vor einem Steinkreuz fallen lies.

Eines Nachts fasste der Hirte all seinen Mut und schritt auf die weiße Frau zu. Im Namen der heiligen Dreifaltigkeit begrüßte er die weiße Frau. Die weiße Frau war erfreut über den hilfsbereiten Hirten. Sie erklärte ihm, der er sie erlösen kann. Sie sei verflucht worden, weil sie einen Mann an dem Steinkreuz ermorden lies. Um Mitternacht würde ein Frosch dem Brunnen entsteigen, der einen goldenen Schlüssel in seinem Maul trägt. Er müsse den Schlüssel schweigend übernehmen und schweigend übergeben. Der Hirte folgte dem Bitten der Frau und wartete bis Mitternacht am Brunnen. Tatsächlich entstieg der Frosch und öffnete sein großes Maul. Der Hirte griff hinein und fasste den Schlüssel. Der Hirte blickte dem Frosch tief in die Augen. Sie erschienen dem Hirten sehr menschlich, so menschlich, dass ihm ein „oh Gott“ entwisch. Der Schlüssel fiel dem Frosch wieder ins Maul und Frosch verschwand im Brunnen.

Ein lauter Schrei schallte durch die Nacht. Die weiße Frau stand klagend vor dem Hirten: "Nun muss ich, endlose Jahre durch die Nächte irrend, den Fluch noch weiter tragen, noch reift die Eichel nicht, die den Keim zu jenem Baume in sich birgt, der das Holz zur Wiege meines Retters liefern soll!" Die weiße Frau fing zu stöhnen und weinen an. Der Hirte floh in seinem Karren. Das Jammern der Frau war bis ins Morgengrauen noch zu vernehmen.

(Angelus)



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